ONE DESIGN VO65

Bei Farr Yacht Design in den USA eigens für das Volvo Ocean Race 2014/15 (jetzt the Ocean Race) gezeichnet, löste die Vo65 ihren um fünf Fuß längeren Vorgänger ab. Nie zuvor lagen die Teams bei dem Rennen um den Globus so nah beieinander. Dafür sorgte die neue One-Design Regelung. Jede Vo65 ist bis auf das kleinste Detail baugleich. Gleicher Rumpf, gleiches Rigg, gleiche Segel, gleiche Chancen. 

Mit den Vo65 sollte das nötige Budget der Teams für eine Teilnahme gesenkt werden. Sie sollten deutlich robuster und zuverlässiger sein als ihre Vorgänger und für die Crew auch leichter im Handling. Vor allem bei den späteren Vo70 kam es, durch das Ausreizen der Box-Rule, vermehrt zu strukturellen Schäden an Rumpf und Rigg - Geschwindigkeit ohne Kompromiss. Obwohl bei der Entwicklung der Vo65 genau diese Einstellung vermieden wurde, sollte sie in Sachen Performance ihren um fünf Fuß längeren Vorgänger um nichts nachstehen. Bestätigt wird das mit dem aktuellen 24 Stunden Rekord für das Ocean Race von Team AkzoNobel. Sie durchbrachen während der  neunten Etappe am Weg durch den Nordatlantik von Newport nach Cardiff die 600-Meilen-Barriere und stellten damit den vorhergehenden Rekord von Ericsson 4 ein. Mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 25,08  Knoten legten sie in 24 Stunden 601,63 Meilen zurück. Die kürzere Rumpflänge und die geringere Segelfläche wurde mit dem innovativen Design kompensiert - einfach und effektiv.

Das Design

Die Vo65 wird in Kompositbauweise gefertigt. Zum Unterschied zur Vo70 werden im Rumpf insgesamt acht statt vier Schotten verbaut. Damit soll die gesamt Struktur verstärkt werden. Das höhere Gewicht wiegt sich mit der größeren Belastbarkeit auf. Der Rumpf besteht aus einem Karbon-Honeycomb-Sandwich. Der Bau wurde zum Großteil in Zusammenarbeit von vier Werften in Europa übernommen - Green Marine in England, Decision in der Schweiz, Persico in Italien und Multiplast in Frankreich. Alles in Allem dauert der Bau einer Vo65 sieben Monate, nimmt rund 36.000 Arbeitsstunden in Anspruch und kostet rund fünf Millionen Euro. Bevor die Yachten ihre zweite Runde um den Globus antraten wurden sie jeweils für etwa eine Million Euro generalüberholt. Im Zuge dieses umfangreichen Refits wurden alle Yachten mit einem 500 Watt Hydrogenerator ausgerüstet, um den 75 PS Bordmotor zu entlasten. 

Das Grundkonzept ist wie bei dem Vorgänger ein Gleitrumpf mit breitem Heck, Doppelruder, scharfen Kanten und Schwenkkiel. Neu ist der Reverese-Bow. Er verlängert die Wasserlinie und verringert das Stampfen in kurzer Welle sorgt aber für reichlich Gischt an Deck. Auch der Lateralplan wurde überarbeitet. Die Vo65 verzichtet auf einen Anstellwinkel der Schwerter und setzt dagegen auf ein Auftriebsprofil um der Abdrift entgegen zu wirken. Durch die geringere Last auf die Schwertkästen konnte Gewicht eingespart werden und die Mechanik, um die Schwerter zu heben und zu senken, konnte vereinfacht werden. Das 4,78 Meter lange Kiel ist um fünf Grad nach vorne geneigt. Wenn das Kiel nach Luv geschwenkt wird, verursachen diese fünf Grad Neigung einen Anstellwinkel der für Auftrieb sorgt, was Verdrängung und damit den Wasserwiderstand vermindert, den Bug bei Wellen stabilisiert und auch einen Teil der Abdrift verhindert. Die Vo65 verfügt außerdem auch über einen längeren Bugsprit und drei Wasserballasttanks. 

Neues Konzept

Konstruktion

Das Rigg wird von dem neuseeländischen Hersteller Southern Spars angefertigt. Southern Spars hat mit the Ocean Race eine eng verbundene Vergangenheit. Bereits seit 25 Jahren statten sie die erfolgreichsten Teams aus und waren Pioniere mit dem erst Karbonmast in den 90er Jahren. Um dem One-Design Konzept zu entsprechen müssen auch alle ein identisches Rigg haben. Das bedeutet auch das sich die Masten bis ins kleinste Detail gleich verhalten müssen um Chancengleichheit zu garantieren. 2014/15 ergaben die Biegetests eine Diskrepanz von nur 1,4 mm über die gesamte Palette von 7 Riggs. Die Maströhre ist 28,4 Meter lang und besteht aus High Modulus Karbon. Der Baum ist 7,68 Meter lang und ebenfalls aus High Modulus Karbon gefertigt. Durch die acht Spanten und den stabilen Rumpf der Vo65 kann der Mastfuß an Deck montiert werden. Das Rigg wird durch Wanten von Future Fibres gestützt. Das ECsix-Rigging besteht aus einem Bündel von einzelnen Karbonfasern. Das Karbon-Rigging verleiht der Vo65 einen dramatischen Performanceboost. Durch das geringe Gewicht erhöht sich das aufrichtende Moment, die Wanten sind aerodynamischer und extrem zuverlässig. Für alle Furling-Segel werden TorqueLite 2.0 Furling Cables verwendet. Sie verringern die Anzahl an Umdrehungen um ein Segel weg zu rollen, da sie sich nicht verdrehen lassen. Für die Backstagen werden ebenfalls ECsix-Wanten verwendet. Wegen dem Square Top vom Großsegel werden Doppelbackstagen verwendet. Sie laufen ins Masttop können aber über einen Deflector nach unten abgeleitet werden. Tiefer am Mast befindet sich noch ein Paar Checkstays um die Mastbiegung zu trimmen.

Das Rigg

Segel

Der gesamte Segelsatz wird bei North Sails produziert. North Sails patentierte 3Di Technologie kommt auch bei den Vo65 zum Einsatz. Die Segel werden aus RAW760 Ultra PE / Aramid hergestellt. In den Segeln darf laut den Klassenregeln kein Karbon verarbeitet werden. Der Grund ist eine mögliche Einschränkung der Satellitenverbindung. Eine Neuheit zu den Vo70 sind die Outrigger. Sie ermöglichen es den Holepunkt der Vorsegel nach Außen zu versetzen. Die Vo65 segelt häufig triple-headed, das bedeutet mit drei Vorsegel. Es ermöglicht einen tiefen Segeldruckpunkt mit gleichzeitig maximaler Segelfläche.